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Märkische Allgemeine vom 14.01.2016

Verein träumt vom Ringlokschuppen

Drehscheibe aus Parchim nach Wittenberge geholt

von Andreas König

Eine zweite Drehscheibe besitzt jetzt der Verein historischer Lokschuppen Wittenberge. Die Brücke wurde in drei Teile zerlegt, per Sattelschlepper aus Parchim nach Wittenberge transportiert. Der Verein möchte sie vor dem inzwischen weitgehend abgerissenen Lokschuppen installieren. Der große Traum der Mitglieder ist es, diesen Ringlokschuppen wieder aufzubauen.

Wittenberge Es dröhnt, und ein kurzes Zittern läuft durch den Tieflader. Kranfahrer Peter Pries von der Firma Bauservice Altmark aus Salzwedel musste das 13 Tonnen schwere Stahlsegment noch einmal ablegen, bevor er es endgültig auf einen der Güterwagen ablegt. Der Verein historischer Lokschuppen Wittenberge ist seit Mittwoch um eine Attraktion reicher – eine zweite Drehbrücke wurde aus Parchim nach Wittenberge transportiert. Bevor allerdings Loks oder andere Schienenfahrzeuge darauf bewegt werden können, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen. „Solche Drehbrücken sind ganz schwer zu kriegen, und wir haben sie zu einem symbolischen Preis bekommen“, sagt Dennis Kathke, zweiter Vorsitzende des Vereins historischer Lokschuppen. Dafür war der Transport richtig teuer. Rund 8000 Euro musste der Verein für die beiden Tieflader und den 50-Tonnen-Kran ausgeben.

Die Mitarbiter der altmärkischen Firma justieren derweil Seile, Haken und Schäkel neu, damit der Stahlkoloss im Gleichgewicht hängt.

Bei der Drehbrücke handelt es sich um eine Mischung aus alter und neuer Technik. Während die Stahlträger vermutlich in den 1980er Jahren geschweißt wurden, stammt der Antrieb, eine Zahnradkonstruktion, vermutlich „aus der Zeit zwischen 1910 und 1920“, wie Dirk Endisch, Mitglied der zum Historischen Lokschuppen gehörenden Dampflokfreunde Salzwedel sagt. „Das war damals gang und gäbe. Ersatzteile gab es so gut wie gar nicht, da musste man sich etwas einfallen lassen.“

Den Wittenberger Verein hat die schiere Platznot dazu getrieben, eine zweitere Drehscheibe anzuschaffen. „Wir haben in dem jetzt für die Ausstellung genutzten Lokschuppen keinen Platz mehr, er ist einfach voll“, sagt Dennis Kathke. „Eine kleine Lok muss jetzt schon draußen stehen.“ Daher benötige man zusätzliche Fläche.

Die Drehscheibe soll zunächst vor den Resten des Ringlokschuppens wieder aufgebaut werden. Dazu muss die schon vor Jahren verfüllte Grube wieder geöffnet und ein neuer Drehpunkt gefunden werden. Wenn dass vollbracht ist, könnte es noch weiter gehen. „Eine fixe Idee von uns ist es, den alten Ringlokschuppen wieder aufzubauen“, sagt Dennis Kathke mit einem Leuchten in den Augen. „Derzeit gibt es nur noch zwei solcher Gebäude in Berlin. Wenn wir das hinbekämen, wäre Wittenberge der erste Standort deutschlandweit, wo solch ein Ringlokschuppen wieder aufgebaut wird.“ Doch das ist wirklich Zukunftsmusik. Zunächst einmal muss der Verein die beiden Träger der Drehbrücke herrichten. „Vieles können wir aus eigener Kraft, aber wenn wir feststellen, dass die Träger zum Beispiel sandgestrahlt werden müssen, kostet das noch einmal extra“, überlegt Dennis Kathke.

Ohne Hilfe, soviel ist klar, wird es mit der Drehbrücke in Funktion nichts. Aber es wäre nicht das erste Mal, dass die rührigen Vereins­mitglieder alle Register ziehen, um ihre Ziele zu verwirklichen. Vor Jahren, als es darum ging, den historischen Lokschuppen vor dem Abriss zu bewahren, war die Stadt Wittenberge in die Bresche gesprungen und hatte das Gelände gekauft. Mittlerweile ist der historische Lokschuppen eines der größten Eisenbahnmuseen im Land.

Schließlich sind die Brückenteile auf die Eisenbahnwagen verladen, damit sie auf dem Gelände des Lokschuppens frei bewegt werden können. Zwei befristet beschäftigte Mitarbeiter hat der Verein. Sie werden die Technik, so weit sie es vermögen, aufarbeiten. Alles weitere wird sich finden.


Der 13 Tonnen schwere Träger der Drehbrücke wird auf den Wagen gehoben.



Stichwörter: Drehscheibe, Infrastruktur

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