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Der Prignitzer vom 22.08.2009

Rost und Dreck an den Kragen

von Lars Reinhold

Richtig frisch sieht die Rangierlok der Reichsbahn-Baureihe 100 nicht mehr aus. Fast 75 Jahre Dienstzeit haben ihre Spuren hinterlassen, Rost nagt an vielen Stellen, die Elektrik ist überholungsbedürftig. Damit die alte Dame bald wieder fit ist, investieren die Mitglieder des Vereins Historischer Lokschuppen Wittenberge viel Zeit in die Aufarbeitung.

Wittenberge "Die Substanz der Lok ist eigentlich noch recht gut, da sie bis 1994 im Raw im Einsatz war und entsprechend gewartet wurde", erläutert Martin Füßel, während er mit einer Metallbürste zum Entrosten ansetzt. "Die Aggregate wie Motor und Getriebe laufen, nur die Lichtmaschine hat gefehlt", erzählt er.

Zwar sei er kein gelernter Lokschlosser, die Reparaturen ließen sich aber trotzdem ohne größere Probleme bewerkstelligen. "Es ist eine sehende Arbeit", sagt Füßel. "Man guckt sich die Teile genau an, analysiert ihre Funktion und dann gehts mit Hammer und Schraubenschlüssel los." Gewalt sei ab und zu schon mal angebracht, wenn sich Bolzen partout nicht lösen lassen.

Eine Menge Verschleißteile haben er und seine Kameraden schon ausgetauscht, darunter Schläuche, Keilriemen und elektrische Leitungen. Mit letzteren beschäftigt sich im gleichen Augenblick Sidney Blume, der eigentlich gar kein Mitglied im Verein ist. "Ein Bekannter von mir wirkt hier mit und hat mich gefragt, ob ich mir die Elektrik mal ansehen kann", erzählt der Kfz-Mechatroniker. "Und wenn man einmal damit angefangen hat, dann kommt der Ehrgeiz, dann will man das Teil wieder zum Laufen bringen." Rund 30 aktive Mitglieder zählt der Verein im Moment, viel zu wenige, um die vielen Arbeiten zu erledigen. "Die Aufarbeitung der Fahrzeuge ist das eine, aber auch die Flächen müssen in Ordnung gebracht werden", erzählt der Vereinsvorsitzende Mario Sembritzki. "Nachdem die Sanierung des Stellwerks viel positive Resonanz bei den Wittenbergern, der Stadtverwaltung aber auch Eisenbahnfreunden aus ganz Deutschland hervorgerufen hat, sind wir optimistisch, unsere Pläne hier weiter verwirklichen zu können.

Neben dem letzten erhaltenen Gleis der Magdeburger Bahnhofsseite wollen die Mitglieder den alten Ringlokschuppen samt der Drehscheibe erhalten und wieder funktionsfähig machen. "Doch eins nach dem anderen", bremst Sembritzki den Enthusiasmus. "Das braucht alles viel Manpower."

Optimistisch stimmt ihn allerdings die Haltung der Stadtväter zu den Plänen des Vereins. "Man sieht, dass wir hier was für die Stadt tun, Eisenbahngeschichte bewahren und ein kulturelles Angebot schaffen. Dementsprechend unterstützt man uns."

Wie weit die Außenwirkung des erst 2004 gegründeten Vereins jetzt schon reicht, zeigt eine Anekdote über die gerade in Restauration befindliche kleine Rangierlok: "Als wir die Fotos der Lok zum ersten Mal auf unsere Homepage gestellt haben, bekamen wir einen Anruf aus Thüringen. Ein Mann hatte die Nummer der Lok wiedererkannt und sich erinnert, dass sein Vater bei der Inbetriebnahme dabei gewesen war", erzählt Sembritzki. "So kamen wir zu vielen tollen Fotos der Lok und erfuhren etwas über ihre Geschichte.


Mit Flex und Drahtbürste geht Martin Füßel dem Rost an den Kragen.


Sidney Blume tauscht die meisten der alten Kabel aus, damit der Strom wieder da ankommt, wo er gebraucht wird.

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