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Der Prignitzer vom 09.04.2018

Operation am Herzen einer Lok

Wittenberger Eisenbahnmuseum

von Ronald Ufer

Wittenberge Es ist keine Arbeit für Reinheitsapostel, die seit einigen Wochen im Historischen Lokschuppen läuft. Der Kessel, 1942 von Hentschel gebaut, muss für eine Dichtheitsprüfung und die Zertifizierung für drei weitere Jahre vorbereitet werden. „Optisch sieht der Kessel von innen gut aus, das hat sich ein TÜV-Prüfer schon vor einigen Tagen angesehen“, erzählt Martin Ristau. Er hat sich mit weiteren Dampflokfreunden vorgenommen, die Arbeiten bis zum Mai abzuschließen, wenn sich nicht noch ein größerer Schaden zeigt.

Damit sich der Kessel innen in einem optisch guten Zustand für den Prüfer präsentierte und dieser alles genau in Augenschein nehmen konnte, war eine Menge „Drecksarbeit“ notwendig. Dazu gehörte, durch das Mannloch in den Kessel zu steigen und die 1500 Stehbolzen, die durch festgebackene Asche und Staub verstopft waren, wieder freizubohren. Das kostete einen halben Tag, und die Arbeiten mussten unter Gehörschutz erfolgen, vom herumfliegenden Schmutz ganz zu schweigen.

Der nächste Schritt ist die Füllung des Kessels mit Wasser. Es wird unter das 1,3fache des üblichen Dampfdrucks gesetzt, um mögliche Kessellecks zu entdecken. Das Ganze wird unter den kritischen Blicken eines TÜV-Prüfers erfolgen. Wird auch diese Hürde ohne Beanstandungen genommen, würde dann der Abschlusstest mit regulärer Befeuerung anstehen. Davor steht in jedem Fall viel Arbeit, denn die für die beiden Tests und andere Arbeiten abmontierten oder stillgelegten Ventile und Sicherheitssysteme müssen wieder angebaut und aktiviert werden. Ziel ist es, den Prüf- und Inbetriebnahmeprozess bis Mai abzuschließen. Die erneuerte Betriebserlaubnis für den Kessel würde wieder drei Jahre gelten.

Da der Dampflok-Veteran ohnehin wegen der „Herzoperation“ stillsteht, werden parallel auch andere Instandsetzungs- und Wartungsaufgaben erledigt. Messungen hatten im Vorjahr ergeben, dass die Spur der riesigen Räder nicht mehr den Vorgaben entsprach, die Lok also beispielsweise Kurvenfahrten schlechter bewältigte. Deshalb wurde die 50 3570 nach Neustrelitz gezogen. Mit Spezialtechnik wurden die riesigen Räder abgedreht. Der Vorteil an diesem Verfahren war, dass die tonnenschweren Radsätze nicht abmontiert werden mussten.

Abgebaut und überprüft wurden auch die Treib- und Kuppelstangen, anschließend überarbeitet und gefettet. Diese Montagearbeiten sind nur als Team zu bewältigen, jedes Teil wiegt mehrere hundert Kilogramm. Auch die Rauchkammer wurde geöffnet, gereinigt, geprüft. Dort wird der für das Ansaugen der Verbrennungsluft erforderliche Unterdruck erzeugt, indem der aus den Zylindern austretende Abdampf durch ein unter dem Schornstein angeordnetes Blasrohr in die Rauchkammer geleitet wird. Dort befinden sich auch die Überhitzerelemente zur Erhöhung von Dampftemperatur und -druck.

Die Dampflok 50 3570-4

Die Dampflok 50 3570-4 wurde 1942 als eine von mehreren Tausend ihrer Baureihe in Dienst gestellt. Nach dem Kriegseinsatz verblieb sie in der DDR und wurde Ende der 1950er Jahre grundlegend rekonstruiert. Dabei erhielt sie einen fabrikneuen Kessel und trug seitdem die Betriebsnummer 50 3570.

Nach der Rekonstruktion wurde sie bis 1983 auf dem Gebiet des heutigen Landes Sachsen-Anhalt eingesetzt. 1983 wurde sie in Wittenberge stationiert und 1993 ausgemustert. Die letzten Einsatzjahre bei der Deutschen Reichsbahn wurde sie meist für Heizzwecke von bahneigenen Gebäuden benutzt.

Im Jahr 1993 erwarb sie der Gleisbauunternehmer Hermann Wiebe und ließ sie zunächst optisch aufarbeiten. Danach stand sie ein gutes Jahrzehnt trocken und geschützt auf einem Bundeswehrgelände bei Nienburg. 2003 wurde die Lok in die Obhut des Vereins Dampflokfreunde Salzwedel übergeben, der bis 2009 für die betriebsfähige Aufarbeitung sorgte.

Quelle: https://www.prignitzer.de/19535386


Wenn es um die Aufarbeitung der Trieb- und Kupplungsstangen geht, werden viele starke Hände und Arme gebraucht. (Foto: Ronald Ufer)


Fahrzeug: 50 3570-4

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